Warum nicht Krakau? Was darf man von der Stadt (nicht) erwarten?

Städtereisen

Warum nicht Krakau? Wer bereits die wichtigsten europäischen Städte und Hauptstädte besucht hat und auf der Suche nach neuen interessanten Zielen für Städtereisen ist, wird in Krakau fündig werden. Und wer seine Vorurteile über Polen über Bord werfen möchte, sollte sich unbedingt auf die Stadt einlassen.

Was darf man von Krakau erwarten?
Eine wunderbare und gut erhaltene Altstadt

Das historische Zentrum von Krakau ist einzigartig. Während Warschau im zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde, blieb Krakau dieses Schicksal erspart.

Der Hauptmarkt (Rynek Główny) von Krakau ist mit 40.000 m² einer der größten mittelalterlichen Plätze und einer der größten Europas. Der quadratische Platz ist umgeben von Palästen und Kirchen. Am und rund um den Hauptmarkt kann man bereits viel Zeit verbringen.

Im Zentrum liegen die Tuchhallen, ein überdachter Marktplatz im Renaissance-Stil. Verkauft werden hier heute vor allem Souvenirs wie Bernstein, Schnitzereien, Plüschdrachen und Lederwaren. Die Galerie als solches, die abends mit Gittertoren abgeschlossen wird, ist aber sehr sehenswert. Den freistehenden Rathausturm am Platz kann man erklimmen.

Das Bild des Hauptmarktes wird von den unterschiedlich hohen Türmen der Marienkirche bestimmt. Diese hat ein wunderschönes Interieur und vom Turm aus hat man eine tolle Aussicht über den Marktplatz und die Altstadt. Zur vollen Stunde ertönt das Trompetensignal «Hejnal» in alle vier Himmelsrichtungen. Das Innere der Kirche ist ebenfalls sehenswert.

Der Burghügel Wawel beherbergt unter anderem das Königsschloss, die Kathedrale und die Drachengrotte. Die Anlage ist eine der Hauptsehenswürdigkeiten in Krakau und entsprechend überlaufen.

Einen Stadtteil mit bewegter Geschichte und Gegenwart: Kazimierz

Der Stadtteil Kazimierz zählt heute zu den wichtigsten Attraktionen in Krakau. Im Viertel finden sich viele Spuren seiner jüdischen Vergangenheit, schließlich war das alte Kazimierz lange Zeit das kulturelle und religiöse Zentrum der polnischen Juden. Während des NS-Regimes wurden die dort lebende jüdische Bevölkerung dann ins Ghetto nach Podgórze deportiert. Zurückgekehrt ist nach dem Krieg kaum jemand. Der Stadtteil verfiel und wurde zum Armutsquartier. Dafür blieb die Bausubstanz über viele Jahrzehnte hinweg nahezu unverändert und das jüdische Viertel als eines der wenigen Europas in seiner ursprünglichen Form erhalten.

Zu neuem Aufschwung verhalf Steven Spielbergs «Schindlers Liste». Einzelne Schauplätze aus dem Film, wie das Restaurant Ariel oder der Innenhof in der Ulica Józefa sind übrigens leicht zu finden. Mit dem zunehmenden Touristenstrom wurden einige Gebäude saniert, aber vor allem hat sich Kazmierz zu einem Szeneviertel mit Jazzkneipen, Bars und Galerien entwickelt. Es gibt auch wieder jüdische Restaurants und während des Kulturfestivals im Sommer dreht sich in Krakau alles um zeitgenössische jüdische Musik.

Interessante Museen und Gedenkstätten

Die Liste der Museen in Krakau ist lang und es ist für fast alle Interessen etwas dabei. Neben verschiedenen Kunstmuseen, bietet vor allem das Historische Museum mit all seinen Abteilungen viel Spannendes zu entdecken. Wer so wie ich nur ein Wochenende zur Verfügung hat, muss eine Auswahl treffen.

In vielen Reviews im Netz wird kritisiert, dass der Name des Museums Fabrika Emalia Oskara Schindler irreführend ist. Wer hier eine Ausstellung über Leben und Wirken des Oskar Schindler erwartet, wird tatsächlich enttäuscht sein und auch von der ehemaligen Fabrik ist nur noch das Verwaltungsgebäude übrig. Das Museum in der Lipowa 4 ist der Geschichte Krakaus während des zweiten Weltkriegs gewidmet. Man erlebt anschaulich viele Themenbereiche des damaligen Lebens in Krakau, aus Perspektive der Besatzer, der Polen und der jüdischen Bevölkerung. Die Tickets für das Museum kauft man am besten bereits im Voraus. Die Schlangen an der Kasse sind üblicherweise sehr lange und Wartezeiten bis zu einer Stunde keine Seltenheit.

Mitten in der Altstadt unter dem Marktplatz (Eingang in den Tuchhallen) kann man in die Geschichte Krakaus eintauchen. Anhand archäologischer Funde und zahlreicher Objekte erhält man einen Eindruck davon, wie Krakau im Mittelalter oder noch früher ausgesehen hat. Am eindrücklichsten ist für mich, dass mehrere Meter unter dem Rynek Główny, auf der Ebene, wo sich heute das Museum befindet, noch im 10. Jahrhundert der eigentliche alte Markplatz war. Die dort deponierten Abfälle und die Tatsache, dass Krakau nach Zerstörungen einfach auf ihren Überresten wieder aufgebaut wurde, führten zu einer Hebung des Platzes.

Lohnenswerte Ausflüge in die Umgebung

Etwas außerhalb von Krakau liegt die weltbekannte Salzmine Wieliczka. Das Bergwerk zählt zu den wichtigsten polnischen Touristenattraktionen und hat tagtäglich riesige Besuchermassen zu bewältigen. Auf einer Route von 3,5 Kilometern und nahezu 800 Stufen durchwandert man einen winzig kleinen Teil des gesamten Stollensystems. Wirklich einzigartig sind die vielen Skulpturen und die wunderschöne völlig aus Salz gestaltete Kapelle der Kinga. Witzig ist, dass man am Ende der Tour noch mit dem originalen Bergwerksaufzug zu neunt in der Kabine den Schacht hochfährt.

Entgegen der landläufigen Meinung, dass man, wenn man in Krakau ist, auch nach Auschwitz muss, habe ich die Gedenkstätte nicht besucht. Das ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass mir nur zwei Tage Zeit in der Stadt blieben, für einen Ausflug nach Auschwitz muss man etwa acht Stunden einrechnen. Generell finde ich es gut, dass es derartige Gedenkstätten gibt. Ich war auch schon in den Konzentrationslagern in Dachau und Mauthausen und weiß über die Geschichte Bescheid. Hier in Polen geht durch den enormen Besucheransturm und Touristen, die sich an diesem geschichtsträchtigen Ort für Selfies inszenieren, viel von der eigentlichen Intention verloren.

Einen stimmungsvollen Weihnachtsmarkt

Wahrscheinlich denkt man bei Weihnachtsmärkten nicht zuerst an Krakau. Bedingt durch den Kommunismus haben Weihnachtsmärkte in Polen auch noch keine lange Tradition. Und dennoch ist der Markt am Krakauer Rynek ein kleines Schmuckstück. Neben dem üblichen Kunsthandwerk werden auch Käse, Brot und Lebkuchen angeboten. Zu essen gibt es Pirogen, Holzofenbrot mit verschiedenen Auflagen, Suppen in allen Variationen und natürlich Wurstwaren. Für Glühwein und Glühbier heißt es allerdings geduldig anstehen.

Zudem gibt es jedes Jahr einen Krippenwettbewerb. Die Krakauer Krippen sind kleine Fantasiegebäude mit Türmchen, Toren und Fenstern. Die Holzkonstruktionen werden mit bunter Folie überzogen. Bewundern kann man sie am ersten Donnerstag im Dezember direkt am Krakauer Marktplatz und in den katholischen Kirchen.

Weihnachtsmarkt-Reisen sind für mich ein Muss. Es ist spannend zu sehen, wie unterschiedlich oder ähnlich die Märkte sind.

Ausgesprochen gutes Essen

Zugegeben, die polnische Küche ist nicht unbedingt als Gourmetküche bekannt. Dafür gibt es mit Liebe und Sorgfalt zubereitete traditionelle Hausmannskost. Auf der Food Tour von Eat Polska hatte ich Gelegenheit viele polnische Gerichte kennenzulernen und habe etwas über Land und Leute erfahren.

Wenn man in Krakau ist, sollte man unbedingt ein paar typische Spezialitäten probieren. Dazu gehören Obwarzanek, die zwar in ganz Polen erhältlich sind, aber ihren Ursprung in der Stadt haben. Die Hefeteigkringel werden überall auf der Straße verkauft. Mit Salz, Mohn oder Sesam bestreut sind sie ein Snack für den kleinen Hunger zwischendurch. Außerdem gibt es in Krakau eine beachtliche Street-Food-Szene, die unter anderem für hochwertige und nachhaltig erzeugte Lebensmittel steht. Neben dem Klassiker Zapiekanka am Plac Nowy werden in verschiedenen Food Trucks noch andere Spezialitäten angeboten.

Und dann sind da natürlich noch die polnischen Pierogi. Die köstlichen Teigtaschen mit Füllungen aus Gehacktem, Quark, Käse, Kartoffeln, Pilzen, Spinat, Sauerkraut, Speck oder Obst sind Vor-, Haupt- oder Nachspeise. An ihnen kommt man in Krakau oder in Polen nicht vorbei.

Was darf man von Krakau nicht erwarten?
Ruhe und keine Touristenmassen

Was mir in Krakau besonders auffällt, ist wie stark doch die Touristenströme aus einzelnen Ländern in bestimmte Destinationen aufgrund von Fremdenverkehrswerbung und direkten Flugverbindungen kanalisiert werden. Tatsächlich sind in Krakau nur wenige Schweizer Touristen unterwegs, dafür Massen von Italienern, Amerikanern und Briten.

Das hat zum Teil auch damit zu tun, dass Krakau verhältnismäßig preisgünstig ist, vor allem in Sachen Alkohol. Nachts ziehen feierfreudige Horden durch die Kneipen der Innenstadt oder durch Kazimierz, sei es auf einem Pub-Crawl oder bei einer Stag oder Hen Party.

Gute Luft

Krakau hat mit die schlechteste Luft in Europa, bedingt durch die Lage in einem Talkessel und dadurch, dass die meisten Haushalte mit Kohle heizen. Bei meinem Aufenthalt habe ich Glück und der Wind sorgt dafür, dass die Stadt für eine kurze Zeit ohne Smog ist.

Hochglanz in der ganzen Stadt

Die Krakauer Altstadt ist vorbildlich renoviert und erstrahlt in altem Glanz. Das gilt aber nicht für den Rest der Stadt. Wie in allen osteuropäischen Städten gibt es hier noch einiges zu tun. Das Nebeneinander von Alt und Neu machen aber auch den besonderen Charme von Krakau aus.

Praktische Tipps und Infos für Krakau

Vom Krakow Airport kommt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Zug oder Bus) schnell und kostengünstig in die Innenstadt. Das Zentrum von Krakau ist überschaubar und im Grunde genommen ist alles fußläufig erreichbar. Ich bin vom Marktplatz bis zur Fabrik Oskar Schindler ebenfalls zu Fuß gegangen. Wer das nicht möchte, kann die Straßenbahn nehmen. Ein Hopp-On-Hopp-Off-Tour zu buchen erübrigt sich, da die Wege so kurz sind. Da ich sie nicht in Anspruch genommen habe, kann ich auch nicht beurteilen, wie gut die Infos im Bus sind.

In den Radisson Hotels Krakow (Blue und Park Inn) finden Freunde internationaler Hotelketten ihren gewohnten Standard. Daneben gibt es in Krakau noch einige geschichtsträchtige und stilvolle Hotels rund um den Hauptmarkt. Ich persönlich habe mich für ein kleines, einfaches Hotel in der Innenstadt entschieden und bin im Hotel Jan abgestiegen. Für die Kategorie war es mehr als in Ordnung.

Für Museumsbesuche sollte man wissen, dass Ticketoffice und Eingang meist einige Meter voneinander entfernt liegen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Ticketverkauf bei einigen Sehenswürdigkeiten und Museen schlecht organisiert ist und man dem Besucheransturm nicht gewachsen ist. Am besten organisiert man seine Eintrittskarten schon von zu Hause aus per Internet. Ansonsten kann es sein, dass man Stunden mit Anstehen verbringt.

Zwei Tage in Krakau waren etwas zu kurz. Ich würde drei Tage für einen ersten Aufenthalt empfehlen. Immerhin hat mir dieser kurze Ausflug Lust auf mehr gemacht und ich werde mit Sicherheit wieder einmal nach Polen kommen.

Warum nicht Krakau?

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6 Comments
  1. Antworten

    Tina

    21. Januar 2017

    Liebe Carola, vielen Dank für die vielen Hinweise und Tipps. Das hilft mir bei der Planung meines Aufenthalts in Krakau. Ich finde deinen Blog ganz toll, weiter so!

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