In Jordanien auf Spuren der Römer, der Bibel und des Lawrence von Arabien

Rundreisen

Jordanien, das ist wesentlich mehr als Petra, die geheimnisvolle Stadt der Nabatäer. Das Land hat eine Reihe einzigartiger antiker Stätten und archäologischer Ausgrabungen zu bieten. Dazu gehören die Zitadelle in Amman, das antike Jerash, Gadara (Umm Qais), die Wüstenschlösser, die Kreuzritterburg in Kerak, das Mosaik in Madaba. Außerdem trugen sich viele biblische Geschichten im heutigen Jordanien zu. Zu den zahlreichen Orten aus der Heiligen Schrift gehören unter anderem der Berg Nebo oder Bethanien, die Taufstelle Jesu am Jordan. Und dann gibt es in Jordanien wunderbare Naturlandschaften wie die Wüstenlandschaft des Wadi Rum, das Dana-Naturreservat oder das Tote Meer am tiefsten Punkt der Erde.

Mit 89.342 km² ist Jordanien von der Größe her vergleichbar mit Österreich. Im Schnelldurchgang lässt sich das Land in einer Woche bereisen. Ich würde allerdings zehn bis vierzehn Tage empfehlen. Will man häufige Standortwechsel vermeiden, kann man viele Sehenswürdigkeiten von Amman aus besuchen und dann weiter in den Süden fahren. Die folgenden Stationen zeichnen den Weg meiner Reise durch Jordanien nach.

Hauptstadt Amman

Wir schlagen für drei Nächte unser Quartier in Amman auf. Die jordanische Hauptstadt ist heute eine Metropole mit 4 Millionen Einwohnern, in den 1940-Jahren waren es knapp 25.000. Die Hunderttausenden während des Palästina- und Sechstageskrieges geflohenen Palästinenser sorgten für ein enormes Wachstum. Erst in den letzten Jahrzehnten erhielt Amman sein heutiges Gesicht. Das sind vor allem würfelförmige Häuser aus weißem Sandstein, ein Konglomerat, das sich heute über 22 Hügel erstreckt. Ursprünglich wurde Amman so wie Rom einmal auf sieben Hügeln errichtet.

Dabei unterscheiden sich Ost- und Westamman erheblich voneinander. Ost-Amman ist sehr traditionell und islamisch geprägt. Hier befindet sich auch das historische Stadtzentrum Al Balad mit der Al-Hussein-Mosche und mit seinen Souks. Die Märkte sind wie in der arabischen Welt üblich laut, bunt und wuselig. Man kann aber in Ruhe schauen und wird nur selten belästigt. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind der Zitadellenhügel und das Römische Theater. All das kann man gut in einem halben bis einen Tag erkunden.

Der Kontrast dazu ist West-Amman mit seinen modernen Villen und Geschäftsvierteln. Hier sind zum Teil unverschleierte Frauen auf den Straßen zu sehen und mit der Rainbow Street das Ausgehviertel der Stadt und das moderne Amman.

Dekapolis

Dekapolis, das waren mindestens zehn antike Städte östlich und südlich des See Genezareth. Zu den Dekapolis-Städten in Jordanien zählen Philadelphia (Amman), Umm Qais, Jerash und Tabaqat Fahl. Umm Qais und Jerash liegen nördlich von Amman, sind gut erreichbar und eignen sich perfekt für einen Tagesausflug. Bis Umm Quais sind es etwa 120 Kilometer, was einer Fahrzeit von ungefähr zwei Stunden entspricht. Jerash liegt auf dem Weg, gut 45 Kilomenter von Amman entfernt. Auch Reisende, die sonst nicht so viel «mit Steinen» am Hut haben werden begeistert sein von der Größe und Schönheit der beiden Anlagen.

Gadara oder Umm Qais

Von der Runinestadt hat man einen Ausblick auf das Jarmuk-Tal, die südlichen Golanhöhen und bei gutem Wetter bis hin zum See Genezareth. Gadara ist aus dem für die Region typischen Basaltstein erbaut. Sehenswert sind das Theater, die Hauptstraße (Decumanus maximus) und die Reste der Basilika und der Ladenstraße.

Gerash oder Jerash

Jerash zählt neben Pompeji und Palmyra, das bedauerlicherweise zu weiten Teilen von der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) zerstört wurde, zu den drei am besten erhaltenen archäologischen Städten aus römischer Zeit. Im Jerash Archeological Park könnte man gut und gerne einen halben bis einen Tag verbringen. Zwei Stunden sollte man mindestens für den Besuch im Schnelldurchlauf einkalkulieren. Wir bestaunen den Hadriansbogen, das Hippodrom, das ovale Forum, Nord- und Südtheater, den Artemis-Tempel, Südtor und den Cardo.

Wüstenschlösser

Östlich von Amman befinden sich einige sogenannte Wüstenschlösser. Die wichtigsten kann man auf einer Halbtages- oder Tagestour von Amman aus anfahren. Genaugenommen ist der Name Wüstenschlösser, aber irreführend, da es sich meist gar nicht um Schlösser handelt, sondern um Burgen oder Festungen. Am weitesten entfernt von Amman und nahe der Grenze zu Irak und Saudi Arabien liegt Qasr Azraq. Das «Blaue Schloss» ist aus schwarzem Basalt erbaut und Lawrence von Arabien hat hier sein Hauptquartier errichtet. Qasr Amra, ist ein kleines ehemaliges Jagdschlösschen mit bemerkenswerten Wandmalereien und Qasr Kahara eine beeindruckende Festung mit dicken Außenmauern.

Nach drei Tagen geht es nun weiter in den Süden. Auf dem Weg zum nächsten Ziel in Petra, dem ich einen eigenen Blogpost gewidmet habe, liegen mit dem Berg Nebo, Madaba, der jordanische Grand Canyon Wadi Mujib und Kerak drei weitere Sehenswürdigkeiten.

Berg Nebo und Madaba

Moses soll hier zum ersten Mal das Gelobte Land erblickt haben. Dies und die fantastische Aussicht über das Jordantal bis hin zum Toten Meer und nach Israel machen den Berg Nebo mit seiner Kirche zu einem vielbesuchten Pilger- und Touristenziel.

Nur knapp 5 Kilometer entfernt liegt die biblische Stadt Madaba. Sie beheimatet die berühmte Mosaiklandkarte aus dem 16. Jahrhundert, die Jerusalem und das Heilige Land zeigt. Die Madaba-Mosaikkarte bedeckt den Boden der griechisch-orthodoxen Kirche St. Geort und wurde aus zwei Millionen bunten Steinen zusammengesetzt. Besucher kommen in erster Linie, um diese Landkarte zu sehen, aber auch sonst ist Madaba ein schmuckes, kleines Städtchen, in dem man gut zwei Tage verbringen könnte.

Kreuzritterburg Kerak

Auf einem 950 Meter hohen Bergrücken thront die gewaltige Kreuzfahrerburg Kerak. Die gut erhaltene Festung hat gewaltige Ausmaße und ist architektonisch ein Konglomerat. Leicht zu unterscheiden sind die grob gearbeiteten Mauern der Kreuzritter und die späteren von den Arabern ergänzten Teile.

Am 18.12.2016 starben bei einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen Terroristen und Polizeikräften leider mehrere Menschen in Kerak, darunter auch eine kanadische Touristin.

Wadi Rum

Bizzare Felsformationen aus Sandstein und Granit und dazwischen ebene Sandflächen, der Wadi Rum gehört mit seiner eigentümlichen Schönheit zu den spektakulärsten Wüstenformationen der Erde. Nicht umsonst ist die Gegend immer wieder Schauplatz für Filme, der bekannteste von allen wohl Lawrence von Arabien. T.E. Lawrence hatte während des ersten Weltkriegs sein Hauptquartier im Wadi Rum aufgeschlagen.

Vom Besucherzentrum aus kann man Jeeps mit Fahrern und Guides mieten und zwei- bis dreitstündige Touren zu den bekanntesten Orten machen. Selbstverständlich sind auch Kamelritte möglich. Wer mehr Zeit hat sollte unbedingt in einem der Caps übernachten. Der Sternenhimmel in der Wüste ist schließlich unvergleichlich.

Aqaba

Als einzige Stadt Jordaniens hat Aqaba Zugang zum Meer, genauer gesagt einem Seitenarm des Roten Meers. Auf der anderen Seite der Bucht liegt gleich der israelische Badeort Eilat. In Aqaba selbst gibt es nicht allzu viel zu sehen. Die meisten Touristen kommen hierher, um Wassersport zu betreiben und zu tauchen. Jetzt Anfang Januar bei Temperaturen knapp über 20 Grad ist aber insgesamt eher wenig los. Neben den Stränden bei Taba Bay gibt es in Aqaba noch einen Stadtstrand und eine Promenade. Typische Badeort-Atmosphäre mit Lokalen und ausgelassener Stimmung darf man hier aber nicht erwarten.

Vom südlichsten Punkt unserer Reise geht es nun wieder zurück Richtung Ammann.

Totes Meer

Am vorletzten Tag erreichen wir dann das Tote Meer. Zu wissen, dass man sich hier etwa 400 Meter unter dem Meeresspiegel befindet, ist schon ein seltsames Gefühl. Durch die Wasserentnahme aus dem Jordan sinkt der Wasserspiegel dieses salzhaltigen Binnensees jährlich um etwa einen Meter. Aus dem Toten Meer sind dadurch zwei Seen entstanden. Mittlwerweile haben sich Israel und Jordanien auf gemeinsame Maßnahmen geeinigt. Es bleibt zu hoffen, dass das diffiziele Ökosystem noch zu retten ist.

Entlang der Küste sieht man immer wieder, wie sich die Salzkristalle absetzen. Die Hotelzone ist dann leider nicht gerade das Gelbe vom Ei. Die weitläufigen Resorts entsprechen nicht meinen Vorstellungen von Unterkunft und Urlaub. Die riesigen Hotelkomplexe mit ihren Grünanlagen und Duschen, um sich vom Salz und Schlamm zu befreien brauchen vermutlich Unmengen von Süßasser – genau der Rohstoff, der sowieso knapp ist.

Eine Schlammpackung und ein Bad im Toten Meer lasse ich mir aber nicht entgehen. Wobei es ist mehr ein Dahindümpeln oder Floaten. Durch den 32-prozentigen Salzgehalt ist es zwar nicht so einfach, sich im Wasser zu bewegen, aber alles in allem ist es recht bequem. Man muss nur aufpassen, dass man keine offenen Wunden hat und kein Wasser in die Augen kommt. Auch sollte man nicht zu lange im Wasser bleiben, da das viele Salz dem Körper Flüssigkeit entzieht.

Und um noch einmal auf die Bibel zurückzukommen: Unweit des Toten Meeres befindet sich in Bethanien die Stelle, an der Johannes Jesus im Meer getauft hat.

Wie sicher ist Jordanien?

Sowohl das Auswärtige Amt in Deutschland, das EDA in der Schweiz und das BMEIA in Österreich raten von Reisen in die Grenzregionen zu Syrien und Irak ab und sprechen von einem erhöhten Sicherheitsrisiko im gesamten Land. Die Wirren der Region gehen an Jordanien nicht spurlos vorbei. Es ist nicht zu leugnen, dass das Land unter dem Rückgang des Tourismus leidet. Hinzu kommen die vielen Flüchtlinge aus Syrien, die das Land verkraften muss. Viele von Ihnen leben unter unmenschlichen Bedingungen in Lagern. Gemäss Aussagen von Einheimischen ist in den letzten Jahren die Kriminalitätsrate angestiegen. In der kurzen Zeit in Jordanien habe ich mich zu keiner Zeit unsicher gefühlt, auch nicht, als ich abends alleine in Amman unterwegs war.

Kann man bedenkenlos nach Jordanien reisen?

„Welcome to my country“ ist einer der Sätze, die man als Tourist häufig hört. Gastfreundschaft wird wie überall in der arabischen Welt großgeschrieben. Jordanien gibt sich tolerant. Etwa 95 % der Bevölkerung sind sunnitische Muslime. Im Gegensatz zu anderen arabischen Ländern ist die Situation der anderen christlichen Religionen nicht prekär. Frauen sind gut ausgebildet und angeblich ist es auch kein Problem unverschleitert auf der Straße zu sein.

De Facto sehe ich aber nur in West-Amman vereinzelt Frauen, die ohne Hijab unterwegs sind. In den ländlichen Regionen sind Frauen kaum präsent. Das Straßenbild ist geprägt von Männern. Ich kenne die Berichte von Rana Husseini über Ehrenmorde an Frauen in Jordanien, die auch heute strafrechtlich noch nicht konsequent verfolgt werden und weiß, dass gleichgeschlechtliche und außereheliche Beziehungen in Jordanien strafbar sind. Bei Sexualdelikten muss das Opfer seine Unschuld beweisen. Das ist ähnlich wie in Dubai, wo auch heute noch ausländische Frauen, die sexuell belästigt oder vergewaltigt wurden nach Anzeige im Gefängnis landen. Und trotz westlichem Stil und Reformversprechen ist Jordanien weit weg von Demokratisierung und Pressefreiheit. Das alles und vieles mehr ist im letztjährigen Bericht von Amnesty International nachzulesen. Touristen wird das so natürlich nicht präsentiert.

Als Reisebloggerin kann ich nach einer Woche im Land kein Urteil abgeben, weil ich die Komplexität von Gesellschaft, Kultur und Politik gar nicht erfassen kann. Gleichzeitig möchte ich aber meine bereisten Länder nicht nur verklärt darstellen. Wir können uns aus moralischen oder ethischen Gründen davon abhalten lassen, die Welt zu entdecken oder aber versuchen andere Länder und Kulturen besser zu verstehen, selbst wenn sie verbesserungswürdig sind. Wo die Grenze zu ziehen ist, muss jeder für sich selbst einscheiden – auch ich habe meine Blacklist.

Anreise

Als Miles & More Mitglied habe ich mich nicht für die Royal Jordanian Airlines, sondern für Austrian via Wien entschieden. Die Businessclass dieser Lufthansa-Tochter kann sich durchaus sehen lassen. Der Service ist ausgezeichnet, das Essen nicht so exklusiv wie bei SWISS, aber sehr bodenständig, geschmacklich hervorragend und mehr als ausreichend.

 

Jordanien Jerash

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