Freiburg – Living History in der Schwarzwald-Hauptstadt

Städtereisen

Freiburg gilt als südlichste und gleichzeitig wärmste Großstadt Deutschlands. Tatsächlich spürt man das auch ein wenig. Die Menschen sind aufgeschlossen und freundlich. Bedingt durch die Nähe zur französischen und zur Schweizer Grenze ist Freiburg insbesondere an Wochenenden ein beliebtes Ausflugsziel für Einkaufstouristen. Auch ich habe letzten Herbst bereits einen Abstecher in die Stadt gemacht, die samstags dann aber doch aus allen Nähten platzt. Nur eine Woche nach der GMW in Chemnitz erlaubt mir die diesjährige ILIAS-Konferenz an der Universität Freiburg einen etwas längeren Aufenthalt. Wie üblich soll nach der Arbeit das Vergnügen nicht zu kurz kommen.

Verspätungsalarm, Schlechtwetter-Prognose und Großbaustellen

Um ehrlich zu sein, kann ich mich nicht erinnern, jeweils mit der Deutschen Bahn gefahren und pünktlich angekommen zu sein. In den letzten beiden Jahren war ich zum Beispiel in Frankfurt und strandete auf der Heimreise, stand auf dem Weg zurück von Augsburg über eine Stunde in der Kälte in Landsberg und kam letzten Oktober mehr als zwei Stunden später aus Freiburg zurück. Und auch diesmal erreicht mich schon Wochen vor der Abreise der Verspätungsalarm auf dem Smartphone. Grund: die Streckenunterbrechung in Rastatt. Durch den Einsatz des Ersatzzuges ab und bis Basel komme ich später an und muss früher los. Zum Glück hält sich die Verschiebung mit 15 bis 20 Minuten aber in Grenzen. Die Konferenzteilnehmer, die aus dem Norden anreisen, erwischt es da wesentllich schlimmer.

Eigentlich soll es in Freiburg die meisten Sonnenstunden in Deutschland geben. Der Wetterbericht verspricht das Gegenteil: Sturm, Regen und Kälte. Immerhin kann zwischendurch mit trockenen Phasen gerechnet werden. Bei meiner Ankunft strahlt sogar noch die Sonne und am Mittwochmorgen hängen zwar dunkle Wolken am Himmel, aber den Schirm brauche ich bei meinem Stadtrundgang nicht. Es ist sogar noch angenehm warm.

Leider ist das schöne Freiburg zurzeit eine einzige Baustelle. Auf der Kaiser-Joseph-Straße werden zwischen Siegesdenkmal und Bertoldsbrunnen die Gleise saniert. Rot-weiße Absperrungen soweit das Auge reicht und viele Umwege, die man deshalb in Kauf nehmen muss.

Freiburg im Schnelldurchlauf

Besser kurz als gar nicht. Und so mache ich mich zwischen meinem Einsatz in einer Special Interest Group zum Thema Video und der eigentlichen Konferenz für einen halben Tag auf, um Freiburg zu entdecken. Auf dem Weg vom Bahnhof zur Universität, dem Kollegiengebäude I, konnte ich zuvor bereits den Colombipark und die neue Universitätsbibliothek bewundern.

Ich starte mit dem Stadtgarten und dem Schlossberg. Da weder Entfernung noch Steigung erwähnenswert sind, verzichte ich auf die Bahnfahrt. Nach mehr als zweijähriger Sanierung ist der Schlossbergturm nun endlich wieder offen und bietet eine tolle Aussicht auf die (wolkenverhangene) Stadt. Über das Schwabentor schlendere ich in eine meiner liebsten Ecken von Freiburg, die Konviktstraße. Renovierte Gebäude, Ranken an den Häusern über die Gasse hinweg und viele tolle Läden und Weinlokale machen die Straße zu einem besonderen Erlebnis.

Vorbei an der Goldschmiede in der Oelmühle und am Krokodil im Gewerbebach (dem Unbekannte vor einigen Jahren tatsächlich den Kopf verdreht haben) geht es durch die Gerberau Richtung Martinstor. Nach einem Abstecher zum Rathaus steht natürlich noch der Münsterplatz mit seinem Wochenmarkt und dem Historischen Kaufhaus auf dem Programm.

Die Wege in der Innenstadt sind kurz. Für den oben beschriebenen Spaziergang benötige ich knapp einen halben Tag. Dabei ist aber auch der eine oder andere Abstecher in Geschäfte mitgerechnet.

Auch in Freiburg bin ich ohne Kamera unterwegs, sodass ich hier nur ein paar iPhone-Schnappschüsse bieten kann.

Freiburg Living History

Nach dem ersten Konferenztag und vor dem Dinner in der Wodanhalle haben wir die Gelegenheit im Rahmen einer Schauspielführung die verzweifelte Catharina Stadellmenin, Witwe des Zunftmeisters der Schlosser Michael Bantzer, auf ihrem letzten Gang in Freiheit zu begleiten. Dabei nimmt sie Abschied von vertrauten Winkeln und Plätzen ihrer Heimatstadt, berichtet von ihrem grausamen Schicksal als Opfer des Hexenwahns in Freiburg, klärt auf über Foltermethoden und erzählt Wissenswertes über Freiburg.

So habe ich unter anderem gelernt, dass wer versehentlich in eines der Bächle tritt, eine Freiburgerin oder einen Freiburger heiratet. Die Betonung liegt allerdings auf «versehentlich». Man kann sein Schicksal nicht beeinflussen. Die Bächle, die sich auf einer Länge von mehr als 15 Kilometern durch die Stadt ziehen, sind heute ein Wahrzeichen von Freiburg. Früher ermöglichten sie eine bessere Versorgung mit Löschwasser.

Kinder ziehen gerne sogenannte Bächleboote durch die Kanäle und tatsächlich gibt es im Sommer ein Bächlebootrennen.

Aber zurück zu Freiburg Living History. Die Schauspielführungen sind sehr professionell und eine wirklich tolle Erfahrung. Neben der Hexe kann man auch die Wanderhure, den Erfinder des Schwarzpulvers, die Spielmannsfrau, die Baderin oder die Tochter des Henkers begleiten. Jede oder jeder von ihnen erzählt ihre oder seine ganz eigene Geschichte.

Praktische Tipps für Freiburg
Übernachten

In Freiburg gibt es sowohl traditionelle Hotels und Pensionen in der Altstadt als auch moderne Designhotels. Ich nächtige zentrumsnah und günstig im ganz neu eröffneten Motel One. Wenngleich es auch Kritikpunkte gibt, mag ich für Geschäftsreisen diese Hotels sehr gerne. Ganz nach ihrem Motto «Viel Design für wenig Geld» sind sie schick und funktional.

Essen

Das kulinarische Angebot in Freiburg ist extrem vielfältig. Von der badischen Küche mit Maultaschen, Spätzle und Flammkuchen ist bis hin zu sämtlichen internationalen Spezialitäten alles dabei. Besonders toll finde ich die Markthalle in Freiburg. Hier kann man auf kleinstem Raum kulinarische Spezialitäten aus aller Welt genießen.

Lust auf Gut

Der Conceptstore in der Gerberau ist ein richtiges Einkaufserlebnis. Es gibt Mode, Kunst, Dekorationsartikel, Schreibwaren und grundätzlich ist alles verkäuflich, auch die Deko wie Sofas oder Motorräder. Daneben gibt es noch ein Blumengeschäft, eine Manufaktur für Holzmöbel, einen Friseur und eine Bar. Was mir weniger gefällt, ist das Beleuchtungskonzept und wirkliche Must-haves finde ich auch nicht. Aber Lust auf Gut ist wie gesagt ein Gesamtprodukt, ein Geschäft, in dem man unbedingt vorbeischauen sollte.

Freiburg sieht mich auf alle Fälle wieder, vielleicht noch dieses Jahr zum Weihnachtsmarkt. Schließlich haben Reisen und Ausflüge im Advent bei mir eine lange Tradition.

Freiburg Living History in der Schwarzwaldhauptstadt

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