Flugmeilen: 10 Tipps zum Meilensammeln in der Schweiz

Ratgeber

Ein Glas Laurent-Perrier Grand Siécle, Balik-Lachs, ein perfekt gebratenes Steak oder Wolfsbarsch, Käseauswahl, fantastische Desserts, Espresso, zuvorkommender Service, Ruhe, ausreichend Platz, ein Flat Bed und vieles mehr gibt es bei SWISS, wenn man «vorne» sitzt. Das hat natürlich seinen Preis. Mit etwas Geduld, der richtigen Strategie und einem Meilenprogramm kann sich jeder den Luxus eines Upgrades in die Business Class leisten. Das Sammeln von Flugmeilen in der Schweiz kann trotz gegenteiliger Meinungen immer noch gewisse Vorteile bringen, selbst wenn man so wie ich nahezu ausschließlich privat fliegt.

1. Das passende Vielfliegerprogramm wählen

Pro Jahr komme ich auf etwa zehn Kurz- und drei Langstreckenflüge. Ich bin Mitglied bei den Vielfliegerprogrammen von Miles & More, Oneworld und Emirates. Zwei davon nutze ich allerdings kaum noch. Wer aus beruflichen oder anderen Gründen nicht ständig mit dem Flugzeug unterwegs ist, sollte sich für eines der Programme entscheiden, sich dann darauf konzentrieren und dort seine Flugmeilen sammeln. Die drei großen Allianzen sind Star Alliance, Oneworld und SkyTeam. Die beteiligten Airlines findet man auf den Websiten der jeweiligen Anbieter. Emirates, Ethiad und Oman Air gehören zu keiner der drei großen Allianzen, haben jedoch eigene Treueprogramme, teilweise im eigenen Netzwerk.

Ich fliege mehrheitlich ab Zürich und schätze aufgrund meiner knapp bemessenen Urlaubstage Direktverbindungen. Milage Runs kommen für mich nur selten infrage. Meistens buche ich SWISS oder andere Star Alliance Members. Deshalb liegt es auch auf der Hand, dass ich mich für Miles & More (Star Alliance) als mein bevorzugtes Vielfliegerprogramm entschieden habe. Die Qualität der beteiligten Airlines und der oben genannte Vorteil hinsichtlich des Streckennetzes wiegen für mich die Nachteile wie geringe Bonusmeilen auf der Kurzstrecke in günstigen Buchungsklassen und hohe Steuern und Gebühren bei Freiflügen wieder auf.

2. Miles & More: Meile ist nicht gleich Meile oder der Unterschied zwischen Status- und Prämienmeilen

Zuerst einmal muss man wissen, dass Flugmeilen nicht gleich Flugmeilen sind. Hier wird zwischen Status- und Prämienmeilen unterschieden.

Statusmeilen

Statusmeilen gibt es für im Flugzeug zurückgelegte Meilen, also nur wenn man wirklich fliegt. Um bei Miles & More den begehrten Frequent Traveller oder Silberstatus zu erreichen, benötigt man zum Beispiel  35.000 Statusmeilen oder 30 Linienflüge in einem Kalenderjahr. Statusmeilen verhelfen also zu einem höheren Status bei der jeweiligen Allianz, der mit mehr Vorteilen einhergeht. Frequent Traveller bleibt man allerdings nicht auf Lebenszeit, sondern muss sich innerhalb von zwei Jahren erneut dafür qualifizieren.

Ich selber bin Frequent Traveller und genieße so eine zusätzliche Meilengutschrift von 25 %, den Check-in am Business-Class-Schalter und Lounge-Zugang unabhängig von der gebuchten Klasse. Was ich mit 40 kg Freigepäck und zusätzlichem Handgepäck anfangen soll, bleibt mir allerdings ein Rätsel. Selbst wenn ich für vier Wochen verreise, hatte ich noch nie mehr als 18 kg Gepäck mit dabei. Schließlich muss man das ja alles auch noch tragen können.

Prämienmeilen

Diese Flugmeilen können sowohl am Boden als auch in der Luft gesammelt und später gegen Freiflüge, Upgrades oder Sachprämien eingelöst werden.

Für einen normalen Teilnehmer bei Miles & More verfallen die gesammelten Status- und Prämienmeilen nach 36 Monaten. Wer also von den Vorteilen dieses Vielfliegerprogramms profitieren und einmal in den Genuss eines Upgrades kommen möchte, der muss zum einen den Meilenverfall stoppen und zum anderen zusätzliche Meilen sammeln oder auch «kaufen».

3. Meilenverfall verhindern

Alle, die im Besitz einer Miles & More Kreditkarte sind, können damit den Meilenverfall verhindern. Dafür reicht es aus, wenn man jeden Monat mindestens einmal mit einer SWISS Miles & More Kreditkarte bezahlt. Sobald man den Frequent Traveller Status erreicht hat, verfallen die Flugmeilen ebenfalls nicht mehr.

4. Flugmeilen (Prämienmeilen) am Boden sammeln
Kreditkarte

Mit dem Kreditartenduo (American Express und Mastercard) kann man zusätzlich Prämienmeilen sammeln. Mit der SWISS Miles & More American Express Gold Card erhalte ich z.B. pro CHF 2.- Kartenumsatz auch 2 Prämienmeilen. Deshalb zahle ich fast ausschließlich alles, selbst kleinste Beträge, mit meiner Miles & More Kreditkarte. Jede Ausgabe wird so wieder zum Prämienvorteil.

Supercard

Der Schweizer Großverteiler Coop bietet zudem die Möglichkeit die innerhalb seines Treueprogramms erworbenen Superpunkte gegen Flugmeilen zu tauschen. Für zwei Superpunkte gibt es eine Miles & More Meile. Superpunkte sammeln kann man nicht nur in den Supermärkten, sondern auch bei den anderen Geschäften (Juweliere, Elektromärkte, Apotheken, Coiffeure etc.) der Coop-Gruppe. Hier achte ich auch immer darauf, wenn es irgendwo spezielle Superpunkt-Aktionen gibt und plane meine Einkäufe so. Bons für +1000 Superpunkte bedeuten immerhin wieder 500 Prämienmeilen.

Coop-Tropy

Zweimal im Jahr gibt es bei Coop die sogenannten Trophys. Für einen Einkaufswert von CHF 10.- bekommt man jeweils eine Sammelmarke, die man in einen Sammelpass klebt. Die Sammelkarten kann man je nach Trophy gegen reduzierte Küchenutensilien, Gläser oder Geschirr, Bettwäsche, Handtücher, Reisegpäck usw. eintauschen. Maximal 25 Sammelkarten lassen sich aber auch gegen Bezahlung von je CHF 34.90 in einen Aufladecode für 2000 Prämienmeilen umwandeln. Das ist in der Schweiz die einzige Möglichkeit, um Meilen zu «kaufen». Ein direkter Erwerb bei Miles & More ist für Teilnehmende mit Wohnsitz in der Schweiz nämlich nicht vorgesehen.

Angebote von Miles & More

Schließlich sollte man von Zeit zu Zeit einen Blick auf die laufenden Angebote von Miles & More werfen. Hier muss man allerdings sorgfältig prüfen, ob sich das Angebot lohnt und ob man Produkte, Abos oder Verträge auch tatsächlich benötigt. Meilenaktionen auf Flüge kann ich aufgrund ihrer Kurzfristigkeit und der ausgewählten Destinationen leider selten in Anspruch nehmen.

Indem ich all diese Vorteile und Sammelaktionen nutze, habe ich immer mehr als 100.000 Prämienmeilen auf meinem Konto und könnte jederzeit spontan einen Flug upgraden.

5. Die Ratio kennen

Sowohl beim Sammeln als auch beim Einlösen spielt die Ratio eine wichtige Rolle. Damit ist der Preis beziehungsweise der Gegenwert pro 1000 Statusmeilen gemeint. Wer nachrechnet, ist vor bösen Überraschungen gefeit und bucht keine überteuerten Routings nur der Meilen wegen. Umgekehrt heißt es beim Einlösen von Prämien die Ratio mit den regulären Preisen zu vergleichen und sich noch einmal den Wert der gesammelten Flugmeilen vor Augen zu führen.

6. Flugmeilen nicht gegen Sachprämien eintauschen

Etwas vom Schlechtesten, wofür man seine Meilen einsetzen kann, sind Sachprämien z.B. aus dem SWISS Shop. Der Gegenwert für die eingesetzten Meilen ist den zu investierenden Meilenbetrag schlichtweg nicht wert. Ein Rimowa-Trolley kostet etwa gleich viel wie ein Langstreckenflug (ohne Steuern und Gebühren). Persönlich sammle ich Meilen auch nicht, um sie gegen materielle Dinge einzutauschen.

7. Flugmeilen in Freiflüge investieren, ja oder nein?

Zugegeben, die Versuchung die angesammelten Meilen gegen einen Freiflug einzulösen, ist groß. Empfehlen würde ich es dennoch nicht. Bei SWISS investiert man für einen Kurzstreckenflug im Minimum 10.000 Meilen. Hinzu kommen Steuern und Gebühren abhängig vom Zielflughafen. Wenn man alles durchrechnet, kommt man in nahezu allen Fällen günstiger, wenn man den Flug rechtzeitig bucht und direkt bezahlt. Bisweilen berechnen Airlines für Prämienflüge höhere Steuern und Gebühren als für reguläre Flüge. Es kann vorkommen, dass diese sogar höher sind als der Gesamtpreis für einen regulär gebuchten Flug.

Ähnliches gilt für die Langstrecke. Für Business-Class-Flüge berappt man zwischen 110.000 und 135.000 Meilen plus CHF 500.- oder mehr an Zuschlägen. Wer genau rechnet, wird feststellen, dass die Ratio nicht stimmt. Auch hier wäre die Buchung des Business-Tarifs meist «billiger».

Außerdem muss man noch bedenken, dass bei der Buchung von Freiflügen keine Prämien- oder Statusmeilen gutgeschrieben werden. Die Tarife sollte man ohnehin immer genau prüfen oder vergleichen. Erst im Oktober 2016 konnte ich den Flug von Delhi nach Zürich in der First billiger buchen als in der Business Class – und das ganz regulär zu einem vernünftigen Preis.

8. Flugmeilen für Upgrades einsetzen

Ich nutze meine Meilen ausschließlich für Upgrades auf der Langstrecke. Die Upgrade-Prämientabelle gibt Auskunft, wie viele Meilen pro Strecke benötigt werden. So komme ich in den Genuss, entspannt und ausgeruht am Zielflughafen anzukommen und erhalte auch meine Statusmeilen für den Flug gutgeschrieben. Zudem sind Steuern und Gebühren, die ich für den Flug zu zahlen habe, dieselben, egal ob ich Business oder Economy fliege.

Aber Vorsicht: Wer seinen Flug upgraden möchte, muss bereits bei der Buchung auf die richtige Buchungsklasse achten. Nicht alle Buchungsklassen sind upgrade-fähig. Bei SWISS ist beim Economy Saver prinzipiell nie ein Upgrade möglich. Beim Economy-Tarif sollest du dir unbedingt mit dem kleine «i» die Informationen einblenden und kontrollieren, ob ein Meilen-Upgrade möglich ist. Ansonsten heißt es über die Hotline buchen und nicht via Internet. Dort kann eine passende (teurere) Buchungsklasse vereinbart werden.

Den Wunsch zum Upgrade gibt man dann über die Miles & More Website ein. Je nach Strecke und Auslastung kommt man zuerst auf die Warteliste. Bis auf eine Ausnahme (HGK ab MUC mit LH) waren bisher alle meine Meilen-Upgrades erfolgreich.

Meine gesammelten Flugmeilen verhelfen mir nächstens auf den Strecken von Frankfurt nach Osaka und von Tokio Narita zurück nach Zürich zu weiteren Upgrades in die Business Class. Hier möchte ich die Gelegenheit nutzen und Lufthansa und SWISS direkt zu vergleichen.

9. Ausweichen auf andere Airline-Partner

Die Schweiz ist eine Hochpreisinsel, ob gerechtfertigt oder nicht. Das schlägt sich auch in den Preisen von SWISS nieder. Wer viel Zeit und Muße hat, kann versuchen über andere Airlines derselben Allianz, das Ticket billiger zu bekommen.

10. Gute Routings suchen

Viele Vielflieger haben es sich zum Hobby gemacht, ihr Meilenguthaben mit entsprechend geplanten Routings aufzubessern. Für Indirekt-Flüge mit Zwischenstopp(s) lassen sich oftmals doppelte oder dreifache Meilen absahnen. Dieses Optimieren von Flügen kommt für mich nur bedingt infrage. Weder die höheren Preise oder die verlängerte Flugzeit würden sich für mich lohnen. Nicht zuletzt denke ich dabei (selbst wenn viele durchaus gerechtfertigt sagen, das sei bei meinen per Flugzeug zurückgelegten Strecken nicht mehr relevant) auch an die Umwelt.

Fazit

Insgesamt sollte man sich gut überlegen, ob sich das Sammeln von Flugmeilen lohnt. Wer wenig fliegt, vor allem wenig Langstrecke fliegt, wird kaum je die nötigen Statusmeilen erreichen. So gibt es für einen SWISS-Europaflug in der billigsten Buchungsklasse gerade einmal 125 Meilen. Flugmeilen sind, egal wie man sie erwirbt, nicht gratis. Richtige Schnäppchen macht man selten, wenn man sich nicht intensiv mit der Materie auseinandersetzt. Die Miles & More Kreditkarte ist außerdem nicht gerade günstig. In vielen Fällen fährt man mit billigeren Flügen und einer Kreditkarte ohne Jahresgebühr besser.

Tipps zum Flugmeilen-Sammeln in der Schweiz

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