Essaouira: die etwas andere Städtereise mit Meeresbrise und Wintersonne

Städtereisen

Essaouira ist in meinen Augen die perfekte Alternative zu den Städtereisen in die üblichen Touristenhochburgen. Wer im November noch etwas Sonne tanken, aber nicht allzu weit fliegen möchte, findet hier milde Temperaturen, einen Hauch von Orient und eine gute Infrastruktur. Während Marakkesch derzeit zu den absoluten Trenddestinationen in Marokko zählt, geraten andere Städte leicht in Vergessenheit. Auch mich hat Marrekesch schon vor Jahren völlig in den Bann gezogen. Generall hat mich Marokko sehr überrascht. Weder habe ich ein dermaßen schönes Land erwartet, noch mit der Freundlichkeit der Menschen gerechnet. Und seit meinem letzten Besuch in Marokko (Wüstentrekking) stand Essaouira ganz weit oben auf meiner Wunschliste (Bucketlist).

Essaouria, الصويرة, die Eingeschlossene, Mogador, Perle im Atlantik oder Windy City Africa. Die Stadt an der marokkanischen Küste hat viele Namen und wird ihnen allen gerecht. Regelrecht in den Atlantik gebaut, trotzt Essaouria Wind und Wetter. Die Spuren, die die Brandung des Atlantiks hinterlässt, sind allgegenwärtig. Auch Sonne und Wind setzen den alten Gemäuern der Stadt zu. Dennoch zählt Essaouira für viele zu den schönsten Städten in Marokko. Ein bisschen erinnert mich die Lage der Stadt an Klein Venedig in Mykonos.

Genau genommen gibt es in Essaouira gar nicht so viel zu sehen. Halt, das stimmt so nicht! Es gibt einfach nicht diese unendlich lange Liste an Sehenswürdigkeiten, die man unbedingt abhaken sollte. Nichtsdestotrotz ist die Stadt selbst sehr sehenswert und es gibt auch überall und ständig etwas zu sehen.

10 Reisetipps für einen Weekendtrip nach Essaouira
1. Anreise

Mit easyJet könnte man via London Luton (LTN) direkt den Flughafen Essaouira anfliegen. Leider führen die Verbindungen ab Zürich zu langen Umsteigezeiten. SWISS fliegt das ganze Jahr über via Genf nach RAK, Edelweiss seit dem Winterflugplan 2016 dreimal wöchentlich direkt. Von Marrakesch nach Essaouira muss man dann noch zweieinhalb bis drei Stunden Fahrzeit einrechnen. Eine Möglichkeit von Marrakesch nach Essaouira zu gelangen, sind die Supratours Busse. Da diese nicht direkt ab dem Flughafen Marrakesch-Menara fahren, muss man zuerst per Taxi zum Busbahnhof in die Stadt.

Wenn man also nicht auf diese günstige Variante angewiesen ist, empfiehlt sich die Buchung eines Privattransfers per Taxi. Die Kosten dafür belaufen sich auf 600 – 700 MAD (Dirham). Dafür spart man viel Zeit und kommt komfortabel ans Ziel. Wer eine Unterkunft in der Medina wählt, muss beachten, dass die Innenstädte autofrei sind und man das letzte Stück zu Fuß zurücklegen muss. Für das Gepäck gibt es Handkarren und in der Regel sind Abholung und Koffertransport vom Taxi bis zum Hotel oder Riad lückenlos organisiert.

2. Übernachten im Riad

Wer in Essaouira übernachten will, hat die Wahl zwischen einem modernen Hotel in der Neustadt und in Strandnähe oder einem Kleinod der marokkanischen Architektur, einem Riad in der Medina (Mogador). Riads sind traditionelle Stadthäuser, die heute oftmals als Hotels genutzt werden, mit einem Garten oder einem offenen Innenhhof. Die aufmerksamen Leser wissen, dass ich in Sachen Übernachtung und Hotel das Besondere, Landestypische und Ursprüngliche schätze. Somit ist klar, dass meine Wahl auf einen Riad fällt: liebevoll und individuell gestaltete Zimmer, authentische Ausstattung, persönliche Betreuung und vor allem wunderbare Dachterrassen. In Essaouira lohnt sich das ganz besonders, weil man einen fantastischen Blick über die Altstadt und/oder das Meer hat.

Der Riad Perle D’Eau liegt direkt an der Stadtmauer und am Meer. Das Tosen der Brandung begleitet den Aufenthalt. Der Riad besteht eigentlich aus zwei Gebäuden, eines verfügt hauptsächlich über Suiten mit Meerblick, das andere über Zimmer mit Ausrichtung zum Innenhof. Insgesamt stehen acht unterschiedlich große und unterschiedlich eingerichtete Räume zur Verfügung. Ende November sind wir allerdings die einzigen Gäste im Haus. Wirklich einzigartig ist das Frühstück auf der Dachterrasse. Morgensonne, Ebbe und Flut, die Schreie der Möwen – das alles lässt sich so hautnah erleben.

3. Essen

Auch kulinarisch hat Essaouira viel zu bieten. Für mich ist klar, dass ich in Marokko auch marokkanisch essen will. Auf Pizza und Pasta kann ich da gerne verzichten. Das Preisniveau ist sehr unterschiedlich. Im Miyame Resto haben wir beispielsweise für umgerechnet 5–6 Euro pro Person ausgesprochen gut gegegessen. Daneben gibt es aber auch Restaurants, die preislich im höheren Segment angesiedelt sind. Diese verfügen dann meist über die Lizenz Alkohol auszuschenken. Wein ist in der Regel aber nur in Flaschen erhältlich. Richtig köstlich ist auch das Essen im Riad Perle D’Eeau selbst. Kabira, die Köchin, zaubert aus frischen Zutaten ein einfaches, aber leckeres Mahl.

Couscous und Tajine sind ja mittlerweile auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Ich selber bin Fan von Harisa (Linsensuppe) und Zalook (Auberginensalat). Mit seinem Hafen, wo tagtäglich der frische Fang verkauft wird, ist Essaouira natürlich auch ein Mekka für Fischliebhaber.

4. Der Hafen von Essaouira

Essaouira ohne seinen Hafen wäre undenkbar. Im 18. Jahrhundert war er einer der wichtigsten Umschlagplätze für Waren aus der Südsahara oder Timbuktu. Später im 20. Jahrhundert verloren er und Essaouira an Bedeutung. Zurück blieb einzig der Fischerhafen. Der erwacht am späten Vormittag zum Leben, wenn die Fischer begleitet von den unzähligen Möwen zurückkehren und ihre Ware verkaufen. Das ist wahrlich ein Spektakel, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Der Hafen zählt zu den beliebtesten Fotomotiven in Essaouira. Hier ist alles blau: die kleinen Fischerbote, die in Linien gereiht im Hafenbecken liegen (keine Ahnung, wie man es schafft so ein Boot loszutäuen und auszufahren), die Rumpfe der großen Kutter, die Netze, die Stände der Fisch- und Obstverkäufer, Netze, die Türen der kleinen Hütten für die Fischer, das Wasser und meist auch der Himmel.

5. In den Gassen der Medina

Essaouira ist eigentlich ein Gesamtkunstwerk. Die Medina, ein Labyrinth aus engen Gassen mit Tunneln und Torbögen ist prädestiniert, dass man sich darin verläuft. Zum Glück ist sie nicht so groß, dass man ernsthaft Angst haben müsste. Sehr schnell kommt man wieder an einer der Hauptstraßen oder großen Plätze, die Stadtmauer bietet immer eine gute Orientierungsmöglichkeit. Das hat ein bisschen etwas von Venedig. Man kann sich einfach treiben lassen und so nebenbei ganz tolle Ecken entdecken.

Die Fassaden der Häuser bröckeln langsam ab, angegriffen von der ständigen Feuchtigkeit durch den Atlantik. Es dominieren die Farben Weiß, Gelb und Blau. Nachts ist es manchmal vielleicht auch ein bisschen unheimlich, allerdings nie gefährlich. Ich empfehle sich wirklich Zeit zu nehmen, durch die Gassen der Medina zu streifen, auch im jüdischen Viertel. Sind es im Hafen die Möwen, so prägen die Katzen das Bild in der Medina von Essaouira. Selten zuvor habe ich so viele Katzen an einem Ort gesehen.

6. Der Souk

Am Souk kommt man in arabischen oder orientalischen Städten kaum vorbei. Spannend ist der Markt am frühen Morgen, wenn die frische (noch lebende) Ware angeliefert wird, Frauen Brot backen und Gemüse und Obst schön präsentiert werden. Hier trifft man die Einheimischen beim Einkaufen und kann die Atmosphäre auf sich wirken lassen.

7. Shopping

Leider findet man auch in Essaouira jene Waren, die weltweit und überall gleich angeboten werden: bilige Stoffhosen, T-Shirts, Pashminas, Sonnenbrillen etc. Daneben gibt es  authentischeren Berberschmuck, Lederwaren, Teppiche, Gegenstände aus Thuya-Holz, Gewürze, marokkanische Lampen und natürlich Arganöl in allen Variationen, zum Kochen und für kosmetische Anwendungen. Qualität hat aber auch hier ihren Preis.

8. Hamam

Hamams in ihrer ursprünglichen Funktion haben nicht allzu viel mit Wellness zu tun, es handelt sich um nichts anderes als öffentliche Badeanstalten, die von Frauen und Männern getrennt genutzt werden. Wir haben das Glück in unserem Riad einen kleinen Privat-Hamam zu haben. Wir dürfen die Waschung und das gesamte Ritual mit Kese und Rasul so viel intensiver genießen. Hinterher gibt es noch eine der besten Öl-Massagen, die ich bisher erlebt habe. Die junge Marokkanerin schafft es sogar, meine Verspannungen völlig zu lösen. Während einer Stunde kann ich die Welt um mich völlig vergessen.

9. Strand und Meer

Essaouira ist während der Sommermonate auch ein beliebter Badeort. Am kilometerlangen Sandstrand reihen sich Restaurants und Hotels. Der Name Windy City kommt natürlich nicht von ungefähr und Essaouira ist ein Paradies für Surfer und Kitesurfer. Jetzt im November lädt der menschenleere Strand nicht mehr zum Baden, aber immerhin zu endlos langen Spaziergängen ein. Am Ende der Bucht gibt es die Möglichkeit, einen kurzen Ausritt per Pferd oder Dromedar zu unternehmen. Für längere Touren empfiehlt sich aber die Buchung eines Ausritts bei einer der Ranches in der Umgebung von Essaouira. Die Ranch Diabat bietet zum Beispiel auch kombinierte Touren mit Dromedar und Pferd an. Es geht doch nichts über einen ausgiebigen Galopp am Strand und das damit verbundene Gefühl von Freiheit.

10. Platz Moulay Hassan

Auf der Achse zwischen Medina und Hafen gelegen, führt an diesem Platz kaum ein Weg vorbei. Auch hier gilt Sehen und Gesehenwerden. Am besten setzt man sich in eines der Straßencafés und beobachtet, was um einen herum passiert. Verkäufer, Artisten, Musiker und manch kurioser Tourist sorgen dafür, dass einem nicht langweilig wird. Das schönste Schauspiel bietet in unserem Fall eine unerfahrene Katzenmama, die ihre Jungen relativ ungeschickt quer über den ganzen Platz von einem Restaurant ins andere bringt.

Essaouira hat meine Erwartungen erfüllt. Und ein bisschen etwas von der viel gepriesenen Magie habe ich auch gespürt. Vielleicht werde ich eines Tages wiederkommen, nach Marokko möchte ich auf alle Fälle noch einmal zurück. Mal schauen, wann sich Gelegenheit dazu bietet. Denn schließlich ist das Leben immer noch kurz und die Welt weit …

Essaouira, die etwas andere Städtereise mit Meeresbrise und Wintersonne

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