Mit Eat Polska unterwegs auf Food Tour in Krakau

Kulinarisches

Ein Foodie wie ich ist auch im Ausland immer wieder auf der Suche nach neuen kulinarischen Entdeckungen. Polen ist ja vor allem bekannt für seine doch eher deftige Küche. Ich bin gespannt, was mich bei Eat Polska in Krakau erwarten wird. Meine erste Food-Tour in Porto hat mich dermaßen begeistert, dass ich vor meinen Städtereisen immer wieder nach ähnlichen Angeboten Ausschau halte. Dabei habe ich allerdings sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Auf der Tapas-Tour in Madrid fehlte mir ehrlich gesagt der Enthusiasmus unseres Guides, sowohl für die Stadt als auch für das Essen, und in Lissabon gab es irgendwie nicht genug zu essen. Die letzte Tour in Delhi war mehr eine Besichtigungstour, hier ging es gar nicht so sehr ums Schlemmen.

Gebucht habe ich meine Food Tour direkt beim Veranstalter Eat Polska, der Rundgänge in Warschau, Krakau und Gdansk anbietet, für 290 PLN (ca. € 69). Zusätzlich könnte man noch auf Vodka Tour oder einen Pirogi-Kochkurs belegen. Lange Zeit musste ich zittern, ob meine Tour überhaupt zustande kommt, weil ich einige Wochen lang die einzige Interessentin war. Erst im letzten Moment buchen zum Glück noch zwei weitere Personen.

Schließlich bin ich der Ansicht, dass man sich eine Stadt oder ein Land am besten auf zwei Wegen erschließt: erstens mit Essen und den dazugehörigen Geschichten und zweitens zu Fuß. Dabei ist es am besten sich einfach treiben zu lassen und auch einmal vom geplanten Weg abzuweichen.

Eat Polska Food Tour in Krakau

Die Tour beginnt im jüdischen Viertel Kazimierz, am Place Wolnica beim Denkmal der drei Musiker. Unser Guide Kamila ist eine ausgesprochen liebenswerte Person und macht ihre Sache von der ersten Minute an sehr gut. Anfangs sind wir ein wenig ungeduldig. Haben wir doch alle den Rat des Veranstalters befolgt und seit dem Frühstück nichts mehr gegessen. Zudem ist das Wetter ziemlich ungemütlich und windig.

Unseren ersten Stop machen wir im Hof der Jozefa Straße 12, einem Schauplatz aus dem Film Schindlers Liste. Sofort habe ich die Szene wieder vor Augen. Irgendwie wirkt es unpassend, dass sich hier heute ein Restaurant mit Gastgarten befindet. Das gesamte Viertel erfreut sich nach einer langen Zeit des Verfalls mittlerweile großer Beliebtheit und beheimatet unzählige Bars, Restaurants und Kunstgalerien.

Plac Nowy

Am Plac Nowy war früher das jüdische Schlachthaus. Heute haben sich im Rundbau im Zentrum vor allem Imbissstände eingemietet. Drumherum findet ein. Flohmarkt statt. Der Grund, warum wir am Plac Novy Halt machen, ist das berühmte und angeblich beste Zapiekanka. Dabei handelt es sich um traditionelles polnisches Street Food, eine Art Pizza-Baguette mit unterschiedlichem Belag. Wir essen eine Variante mit Käse, Champignons und Schnittlauch. Mit Ausnahme der süssen Tomatensauce (ähnlich Ketchup) oben drauf schmeckt es sehr gut.

Zalewajka

Nach diesem Appetizer geht es weiter in die Wąska 2. Nomen est Omen und so nennt sich das Lokal gleich nach seiner Spezialität des Hauses, einer Kartoffelsuppe auf Sauerteigbasis. Ich glaube, dass ich so eine Suppe noch nie zuvor probiert habe. Dennoch erinnert mich die Zalewajka ganz stark an die Erdäpfelsuppe meiner Großmutter, die zum Säuern immer einen Schuss Essig nahm. Davor bekommen wir in diesem Lokal eine roten Borscht, also eine Rote-Beete-Suppe mit Pirogen.

So gestärkt, spazieren wir vorbei an der Synagoge, besuchen einen Markt und essen auf dem Weg zum Hauptplatz in der Nähe des Planty Parks noch einen Obwarzanek, einen polnischen Bagel.

Ed Red

Beim Steakhouse in der Sławkowska 3 handelt es sich im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnetes Restaurant, mit zwei Gault Millau Hauben und einer Erwähnung im Guide Michelin. Das Restaurant gehört der Slow-Food-Bewegung an, legt Wert auf saisonale Küche und verarbeitet nicht nur die Filetstücke, sondern alle essbaren Teile vom Tier.

Für uns gibt es Matjes Hering mit geschlagenem Sauerrahm, Buchweizen-Popcorn, Apfel und Zwiebel zur Vorspeise. Wer Matjes kennt, denkt wahrscheinlich in erster Linie an das Rezept nach Hausfrauenart. Der hier servierte schmeckt kräftig nach Fisch, die Kombination aus Rahm, den kleinen etwas säuerlichen Apfelstücken und dem Buchweizen passt wunderbar dazu. Persönlich hätte ich den Rahm gerne etwas leichter und nicht ganz so fettig gehabt.

Zum Hauptgang warten Wildhasen-Nieren in einem gedämpften Burger-Brötchen mit einer Sauce aus Austernpilzen und einer Senfsauce. Dazu gibt es Hirse mit Gemüse, Ruccola und einem Artisanal-Käse, der langsam schmilzt. Als Beilage werden noch Kartoffelpüree und Gemüse mit Kräutern und Knoblauchbutter gereicht.

Ich bin völlig begeistert von der Hirse und den verschiedenen Saucen. Der Burger ist aber dann doch eher nichts für mich. Dennoch würde ich das Ed Red bedingungslos empfehlen.

Gościnna Chata

Diesmal fällt der Verdauungsspaziergang aus und wir überqueren gerade einmal die Straße zum nächsten Zwischenstopp im Gościnna Chata, einem traditionellen polnischen Restaurant. Erst jetzt beim Schreiben fällt mir auf, dass es ein Restaurant dieser Kette auch in Linz in Oberösterreich gibt! Im Gościnna Chata gibt es jetzt den obligatorischen Shot Wyborowa Vodka. Es ist übrigens unhöflich, Vodka abzulehnen. Die Polen essen, nachdem sie das Glas auf ex getrunken haben, ein Stück Essiggurke. Ich frage mich, was schlimmer ist …

Zum Essen gibt es eine Auswahl polnischer Käse: Oscypek, den geräucherten Schafskäse, Twarog, eine Art Cottage Käse, Klagany Käsebällchen mit Minze und Homilki, einen Kuhmilchkäse mit Kreuzkümmelsamen. Für die Fleischesser kommen Schinken, Salami, Pastete und Schmalz auf den Tisch. Dazu wird frischgebackenes Holzofenbrot gereicht.

Cukiernia Jagiellońska

In Jagiellońska 5 serviert man uns zum Abschluss noch Kaffee und eine der berühmten Cremeschnitten, die mich wiederum an meine Kindheit erinnern. Die österreichische Küche ist geprägt von tschechischen, ungarischen und polnischen Einflüssen. Das ist nicht neu, aber bei Kamilas Erzählungen wird mir wiederum klar, dass viele Gerichte nahezu identisch sind. Hier in der Nähe des Hauptplatzes endet dann auch die etwa vierstündige Tour, wir waren sogar etwas länger unterwegs.

Mein Fazit

Das Gesamtpaket ist stimmig und man merkt, dass Kamila eng mit Krakau und ihrer Heimat verbunden ist. Sie und wohl auch das gesamte Team von Eat Polska verfügen über ein breites Wissen in Sachen Essen und der Funke springt über. Das ist genau das, was jemand braucht, der solche Touren führt. Nichts ist schlimmer, als wenn man die Liebe zum Essen und zur Stadt nicht spürt und der Rundgang zu einer Pflichtübung als Fremdenführer wird.

Bei Get Your Guide habe ich gelesen, dass die Tour nicht für Vegetarier geeignet ist. Polen zählt übrigens zu den Ländern mit dem weltweit höchstem Fleischkonsum. Ich wiederum ernähre mich mehrheitlich vegan und vegetarisch. Bei solchen Gelegenheiten, lasse ich es mir aber nicht nehmen, auch einmal Fleisch zu probieren. Das gehört zur Gesamterfahrung mit dazu, wenn man das Land und seine Kultur kennenlernen möchte. Insgesamt muss ich sagen, dass auch Vegetarier auf der Tour satt werden und nichts vermissen werden. Die Mengen an Essen sind mehr als ausreichend. Das einzige, was ich vermisse, ist ein Glas Wein oder Bier zum Essen. Das könnte man zwar dazu bestellen, im Sinne eines perfekten Gesamtpaketes fände ich es gut, wenn das bei der Eat Polska Food Tour inklusive wäre.

Nach Abschluss der Tour bekommen wir noch eine Information über alle probierten Speisen und weitere Restaurant-Tipps für Krakau. Das weiß ich ebenfalls sehr zu schätzen und zeichnet einen Anbieter für Food Touren aus. In diesem Sinne kann ich Eat Polska gerne weiterempfehlen. Sollte ich wieder einmal nach Polen kommen, werde ich bestimmt die Vodka Tour probieren.

Wer von euch hat schon einmal eine Food Tour gemacht? Welche könnt ihr empfehlen und warum?

Mit Eat Polska unterwegs auf Food Tour in Krakau

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