Beelitz-Heilstätten: von Lost Places und eingefangenen Erinnerungen

Ratgeber

Lost Places, das sind vergessene Orte, die entweder aus triftigen oder ohne ersichtliche Gründe sich selbst überlassen wurden, stillgelegte Gebäude, Industrieanlagen bis hin zu ganzen Ortschaften. Ein nicht mehr ganz so verlorener Platz, aber auf alle Fälle einen Besuch wert, sind die Beelitz-Heilstätten in Brandenburg.

Lost Place Beelitz-Heilstätten
Geschichte der Heilstätten von Beelitz

Auf einer Fläche von 200 Hektar entstanden Anfang des 19. Jahrhunderts zwei Lungenheilanstalten und Sanatorien, streng nach Geschlechtern getrennt, insgesamt fast 60 Gebäude. Seither haben die Heilstätten in Beelitz eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Errichtet durch die Berliner Landesversicherungsanstalt (LVA) galten sie damals als größtes und modernstes Krankenhaus der Welt. Während in Berlin sich die Tuberkulose aufgrund schlechter hygienischer Verhältnisse ausbreitete, konnten sich die Arbeiter hier in der fast luxuriösen Anlage, für die keine Kosten und Mühen gescheut wurden, erholen. Die Stärkung des Immunsystems war, solange es kein Antibiotikum gab, die einzige Behandlungsmethode. Und so gab es für die Pfleglinge Sport, Liegekuren an der frischen Luft, kalte Abreibungen oder Bäder. Arbeitsabläufe, Zimmer, Hygienevorkehrungen und Heiztechnik waren für die damalige Zeit regelrecht revolutionär.

Während der Weltkriege nutzte man die Beelitz-Heilstätten als Lazarett. Im zweiten Weltkrieg selbst wurden viele Gebäude zum Teil schwer beschädigt und dienten danach der Roten Armee als Militärhospital, das größte außerhalb der UdSSR. Nach Abzug der Sowjets begann der schleichende Verfall. Vielfach blieben nur Ruinen übrig, die von der Natur langsam wieder zurückerobert werden.

Schaurig-schön

Die Beelitz Heilstätten machten einige Male mit mysteriösen Morden von sich reden. Aber auch bei Partys und dem unerlaubten Betreten der Gebäude kam es immer wieder zu (tödlichen) Unfällen. Leider fielen viele Gebäude dem Vandalismus zum Opfer, nahezu alles Wiederverwertbare wurde aus den Gebäuden gestohlen.

Derartige Orte waren immer schon Anziehungspunkt für Hobbyfotografen und für die Filmindustrie. So wurden auch Teile von «Der Pianist», «Operation Walküre», «Men & Chicken» oder «A Cure for Wellness» in eigens dafür renovierten Trakten der Heilstätten gedreht.

Mit dem Veranstalter go2know kann man verschiedene Führungen oder Fototouren durch die Heilstätten in Beelitz machen. Bei beiden erhält man neben faszinierenden Fotomotiven viele Hintergrundinformationen und lernt Anekdoten aus dem Klinikalltag kennen. Obwohl Löcher in den Wänden klaffen, die Fenster fehlen, Putz, Fliesen und Tapeten von den Wänden fallen, überall Bauschutt liegt und es unangenehm nass und kalt ist, bekommt man eine Vorstellung davon, wie es hier früher einmal ausgesehen hat.

Das Comeback

Wer noch etwas vom morbiden Charme der Heilstätten mitbekommen möchte, muss schnell sein. Bereits laufen erste Umbauarbeiten und Bauzäune und -container verstellen die Sicht. Im ehemaligen Frauensanatorium sind heute Atelier- und Mietwohnungen untergebracht, weitere Gebäude folgen.

Im September 2015 wurde ein 320 Meter langer und 32 Meter hoher Baumkronenpfad inklusive Aussichtsturm eröffnet und dem Gelände so neues Leben eingehaucht. Von dort hat man nicht nur einen Blick über die Baumwipfel bis hin nach Berlin, nein auch einzelne verfallene Gebäude der Beelitz-Heilstätten kann man so aus der Vogelperspektive betrachten.

Eingefangene Erinnerungen

Lost Places waren immer schon ein Eldorado für Fotografen. Schon seit längerer Zeit steht ein Besuch in Beelitz auf meiner Bucketlist. Als mich am ersten Novemberwochenende eine Konferenz mal wieder nach Berlin verschlägt, kann ich diesen Plan endlich in die Tat umsetzen. Wie nicht anders zu erwarten, verfalle ich ins Fotografiefieber und kehre mit Hunderten Aufnahmen heim.

Eigentlich lebe ich digital durch und durch. Kugelschreiber und Papier habe ich so gut wie nie zur Hand, dafür aber Computer, Tablet oder Smartphone. Bei Fotos hat das den Nachteil, dass sie auf flickr, auf alten Festplatten oder Online-Speicherdiensten abgelegt sind und oftmals ein recht einsames Dasein führen. Mit Fotobüchern kann man Erinnerungen wortwörtlich zur Hand nehmen und sie bieten immer wieder Gelegenheit, Reiseerlebnisse niederschwellig mit Freunden, Familie und Gästen zu teilen. Ein wichtiger Punkt für mich ist dabei die Auswahl der Bilder. Nur ein Teil schafft es von der digitalen zur analogen Version, ist es wert auch gedruckt zu werden.

Fotobücher

Aus meiner Foto-Ausbeute von Beelitz möchte ich wieder einmal ein Fotobuch von Colorfotoservice.ch erstellen. Genauer gesagt, wird es eher ein Bildband über den Lost Place Beelitz-Heilstätten sein. Dafür wähle ich in akribischer Kleinarbeit das perfekte Foto und Layout für jede Seite aus. Ich verwende immer leere Vorlagen, in der ich das Foto oder die Fotos in der passenden Größe platziere. Vom Stil her mag ich es dezent. Ich beschränke mich auf Weiß, Schwarz oder zu den Fotos passende Hintergrundfarben und verwende keine Muster oder Sticker. Ich bin jetzt schon gespannt, wie das Buch aussehen wird.

Mein erstes Fotobuch habe ich übrigens 2009 über meine Rundreise durch Island gestaltet. Schon damals entschied ich mich für das CEWE-Fotobuch und daran hat sich bis heute auch nichts geändert. Die Software bietet vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten und die Buchqualität ist wirklich top. Ich schätze die Auswahl an Formaten, Papierqualitäten und Einbänden.

Früher habe ich tatsächlich von jeder meiner Reisen ein Fotobuch erstellt: Island, Madrid, Hundeschlittenfahren in Finnland, Segeln in den Nördlichen Sporaden, Madeira, Norwegen, Segeln auf den Seychellen, Kameltrekking in Marokko, von Kapstadt zu den Victoriafällen, Andalusien, Südamerika, Porto und Montenegro. Ein ganz besonderes Prunkstück ist mein Fotobuch zum Karneval in Venedig. Jetzt, wo ich (noch) häufiger unterwegs bin, schaffe ich es meist leider nicht mehr jedes Foto zeitgerecht zu bearbeiten, geschweige denn jedes Mal ein Fotobuch zu gestalten. Der Wunsch, damit Geschichten von meinen Reisen zu erzählen, ist aber immer noch da.

Praktische Tipps rund um die Beelitzer Heilstätten

Die Beelitz-Heilstätten sind von Berlin aus mit der Regionalbahn (RE7) gut zu erreichen. Vom Alexanderplatz aus dauert die Fahrt 50 Minuten. Die Züge verkehren im Stundentakt. Für den Weg vom Bahnhof zur Liegehalle der Heilstätten beziehungsweise dem heutigen Kassenhäuschen muss man nochmals 10 Minuten rechnen.

Aktuell kostet der Eintritt zum Baumkronenpfad 9,50 €, für die etwa einstündigen Führungen von go2know bezahlt man 10,- € und für die vierstündige Fototour 45,- €. Der Baumkronenpfad ist zwar ganzjährig geöffnet, im Winterhalbjahr von November bis März allerdings mit verkürzten Zeiten. Dann finden auch weniger Führungen durch die Gebäude der Heilstätten statt. Auf alle Fälle sollte man sich einer Führung anschließen, wenn man die Gebäude betreten möchte. Dies ist ohne Genehmigung nämlich strengstens untersagt und kann Anzeigen zur Folge haben. Vor der Führung muss man übrigens unterschreiben, dass das Betreten auf eigene Gefahr erfolgt und der Veranstalter bei Gefahren und Unfällen keine Haftung übernimmt. So gefährlich wie es klingt, ist es aber bei etwas Vor- und Umsicht nicht.

Für einen Ausflug nach Beelitz sollte man sich ausreichend Zeit nehmen. Alleine am Baumkronenpfad und am Aussichtsturm kann man gut und gerne eine Stunde oder mehr verbringen. Wenn man dann noch an einer Führung oder einer Fototour teilnehmen und selbst etwas am Gelände herumstreifen möchte, empfehle ich einen ganzen Tag einzuplanen.

Beelitz-Heilstätten

Dieser Beitrag über die Beelitz-Heilstätten ist in Kooperation mit Colorfotoservice entstanden. Er spiegelt aber meine persönliche Meinung und Erfahrung wider. Schließlich schreibe ich nur über Produkte, von denen ich selbst überzeugt bin und die ich mit gutem Gewissen meinen Freunden empfehlen würde.

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